© solominviktor/Shutterstock.com
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Lernendenmobilität: Interkulturelle Erfahrungen in der Berufsbildung

Während der Lehre in den Austausch geht nicht? Geht doch! Vom speziell für Lernende konzipierten Austauschprogramm mit Berufspraktikum und virtuellem Berufsfachschulbesuch bis zu Schulaustausch, Freiwilligeneinsatz, Workcamp und Sprachaufenthalt stehen Lernenden zahlreiche Möglichkeiten zur Verfügung. Es lohnt sich diese zu nutzen. Mit dem Projekt Lernendenmobilität setzt sich Intermundo dafür ein, dass in Zukunft möglichst viele Lernende von einem interkulturellen Austausch profitieren können.



Austauschangebote speziell für Lernende

Einige Mitgliedorganisationen von Intermundo bieten Austauschprogramme an, die speziell auf Lernende zugeschnitten sind. In der Suchmaschine finden sich solche Programme unter Lernenden-Austausch. Wer an einem Lernenden-Austausch teilnimmt, arbeitet einen oder mehrere Monate lang in einem Gastbetrieb im Ausland. Die Lernenden erhalten Einblick in die Arbeitswelt ihrer Berufskollegen im Ausland. Sie lernen eine neue Alltags- und Arbeitskultur kennen und eignen sich neues Fachwissen an. Je nach Destination erwerben die Lernenden neue Sprachkenntnisse und wenden diese im Arbeitsalltag an. Zudem kann ein Lernenden-Austausch mit einem Sprachkurs kombiniert werden.

Die Umsetzung eines Austauschprojektes für Lernende ist oftmals etwas aufwändiger als ein Austausch für Mittelschülerinnen und Mittelschüler, da ein Abkommen mit allen Lernorten getroffen werden muss. Die Erfahrung zeigt aber, dass, wo ein Wille ist, mit wenig Aufwand viel bewegt werden kann. Es gibt zahlreiche gute Gründe für Ausbildungsbetriebe den Lernenden-Austausch zu fördern. Verschiedene bereits mehrfach erfolgreich erprobte Lösungen ermöglichen es dem Unterricht in der Berufsfachschule während einem Austausch ohne Leistungseinbussen zu folgen.

Folgende Modelle haben sich im Lernenden-Austausch besonders bewährt:

a) Kurzaustausch von 4-5 Wochen (bei Blockunterricht länger). Der Austausch findet während der schulfreien Zeit der Lernenden statt. Eine Koordination mit der Berufsfachschule ist nicht notwendig.

b) Mittellanger Austausch von 1-6 Monaten. Je nach Wunsch, Möglichkeit und Ausbildung, folgen die Austauschlernenden während ein bis zwei Wochentagen virtuell dem Unterricht ihrer Berufsfachschule in der Schweiz, arbeiten den Schulstoff im Selbststudium nach oder es findet sich eine andere individuelle Lösung.

 

Während der Berufsbildung ohne viel Aufwand ein Jahr ins Ausland

Grundsätzlich stehen alle Austauschangebote, von welchen Sekundar- oder Mittelschüler profitieren können unter denselben Altersbeschränkungen auch Lernenden offen. Lernende können in ihren Ferien problemlos ein Workcamp oder einen Sprachkurs besuchen. In Mittelschulen ist das sogenannte „Austauschjahr“ verbreitet. Ein Jahr lang bei einer Gastfamilie zu leben erlaubt ein intensives Eintauchen in eine fremde Sprache und Kultur. Diese Erfahrung steht auch Lernenden offen. Lernende können ihre Lehre für ein Jahr unterbrechen um einen Austausch zu machen. Das Modell Jahresaustausch hat sich auch für Lernende bewährt.

c) Langer Austausch von 10-12 Monaten mit Schul- oder Praxisinhalt. Der Ausbildungsbetrieb kündigt den Lehrvertrag und stellt gleichzeitig einen neuen Vertrag für das kommende Jahr aus. Die Berufsfachschule wird über die Absenz informiert. Eine Koordination ist nicht notwendig.

Paul Briggeler, Leiter des Training Center der Lonza AG hat viele Jahre Erfahrung mit diesem Modell. Er bestätigt, dass ein Lehrunterbruch vom Ausbildungsbetrieb nur wenig Aufwand verlangt und zahlreiche Vorteile bietet. Der Ausbildungsbetrieb muss sich zwar ein Jahr lang gedulden, aber auf keine Leistungsstunden des Lernenden verzichten. Zudem hat er in der Zeit nach dem Austausch um vieles reifere und engagiertere Lernende zur Verfügung.

In einigen Ländern kann statt einer Mittelschule mit Allgemeinbildung auch eine Schule mit praktischem Berufsfachunterricht besucht werden. So wird zum Beispiel am Morgen Mathematik und Englisch gebüffelt und am Nachmittag geht es in die schuleigene Schreinerwerkstatt, zum Kochkurs oder ins Schneideratelier. Auch der Besuch einer Handelsschule im Ausland oder die Spezialisierung auf Tourismus ist möglich. Statt eine Schule zu besuchen, können Lernende, die bereits volljährig sind, ihre Lehre auch für ein Jahr unterbrechen um einen Freiwilligeneinsatz zu leisten und sich so beispielsweise ganz nebenbei wichtige Kenntnisse in einem Sozial-, Pflege- oder Umweltberuf aneignen. Austauschangebote für einen Jahresaustausch finden sich in der Suchmaschine in den Rubriken Schulaustausch und Freiwilligeneinsatz.

 

Mit gutem Beispiel voran: Begleitungsangebot für Pilotprojekte

Egal ob ein Lernenden-Austausch wenige Monate oder ein ganzes Jahr dauert, in jedem Fall eignen sich die Jugendlichen durch ihren Austausch interkulturelle, soziale und persönliche Kompetenzen an und haben später bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Im Rahmen des Projektes Lernendenmobilität begleitet Intermundo interessierte Betriebe und Berufsfachschulen von der ersten Idee, bis zur Umsetzung und Auswertung eines Pilotprojektes. Das Pilotprojekt wird von professioneller Öffentlichkeitsarbeit begleitet und gibt Gelegenheit, sich als besonders engagierter Ausbildungsbetrieb zu profilieren.

Hier finden Sie weiterführende Informationen und praktische Wegleitungen zum Thema Lernendenmobilität, sowie ein kurzes Video über das Projekt.

Wenden Sie sich an uns, falls Sie Fragen zum Thema Austausch während der Berufsbildung haben oder Sie als Lernende gerne einen Austausch machen wollen und Ihr Ausbildungsbetrieb oder Ihre Berufsfachschule dies nicht unterstützt.

Julian, Julia und viele andere haben‘s gemacht. Sie gingen während ihrer Lehre ins Ausland und sind um viele Erlebnisse, Begegnungen und Erfahrungen reicher zurückgekommen. In ihren Videoportraits oder Interviews erzählen sie mehr von ihrem Austausch.






Während der Lehre in den Austausch geht nicht? Geht doch! Julian Ackermann hat's gemacht. Er hat im Sommer 2015 einen Monat als Informatiker in Irland gearbeitet statt bei seinem Ausbildungsbetrieb im Aargau. Wie es dazu kam, was er gelernt und erlebt hat, erzählt er im Video.

Hier geht es zum Videoportrait von Julian Ackermann.





«Mit der Erfahrung eines Auslandjahres steigen die Chancen in der Berufswelt auf einen guten Job markant. Durch die angeeigneten menschlichen, sprachlichen und interkulturellen Eigenschaften bist du auf dem Arbeitsmarkt ein attraktiver Bewerber. Wir unterstützen unsere Lernenden bei einem Auslandjahr. Eine klassische Win-win-Situation für die Lernenden wie für die Lehrfirma.»

Paul Briggeler

Leiter berufliche Grundbildung, Lonza



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Das Projekt Lernendenmobilität wurde von der Stiftung Mercator Schweiz unterstützt und gefördert.